Gluconasturtiin (Aromatisches Glucosinolat · PEITC-Vorläufer · Lungen-Chemopräventivum)

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Verbindung Gluconasturtiin
Chemische Klasse Glucosinolat – Aromatisch (2-Phenylethylglucosinolat)
CAS 499-30-9
Primärquelle Nasturtium officinale (Brunnenkresse), Barbarea vulgaris (Gewöhnliches Barbarakraut)
Schlüsselanwendungen PEITC-Vorläufer, Nrf2-Aktivierung, DNA-Schutz, chemopräventive Forschung bei Lungenkrebs
Aussagestärke Mittel
Typische Form Brunnenkresse-Extrakt, standardisiert auf Gluconasturtiin; Brunnenkresse-Pulver
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Namensherkunft: Von Nasturtium officinale (Brunnenkresse – die Pflanze, nicht die Zierblume, die ebenfalls Nasturtium heißt und Tropaeolum majus ist). Gluconasturtiin ist das 2-Phenylethylglucosinolat – ein aromatisches Glucosinolat mit einer zweikettigen Kohlenstoffkette, die den Phenylring mit dem Glucosinolatkern verbindet. Es ist das primäre Glucosinolat der Brunnenkresse und der Vorläufer von Phenethylisothiocyanat (PEITC). Traditionelle Anwendung: Brunnenkresse (Nasturtium officinale) wird seit der Antike in europäischen, britischen und asiatischen Traditionen als gesundheitsförderndes Lebensmittel konsumiert. Traditionelle Assoziationen mit Atemwegserkrankungen, Blutreinigung und krebshemmenden Eigenschaften stimmen mit modernen phytochemischen Erkenntnissen überein. Brunnenkresse hat eine der höchsten Konzentrationen an Gluconasturtiin unter allen häufig konsumierten Gemüsesorten. Forschungstrajektorie: Gluconasturtiin/PEITC hat eine gut entwickelte Forschungsgeschichte bezüglich des chemopräventiven Potenzials bei Lungenkrebs – insbesondere bei Rauchern. Studien zur Bioverfügbarkeit beim Menschen bestätigen eine hohe PEITC-Absorption aus Gluconasturtiin durch pflanzliche Myrosinase und mikrobielle Umwandlung im Darm. PEITC hemmt CYP2E1 und CYP1A1/2 (Tabak-Karzinogen-aktivierende Enzyme) und induziert gleichzeitig Phase-II-Entgiftungsenzyme (GST, NQO1, HO-1). Kommerzielle Quelle: Brunnenkresse-Extraktpulver und Brunnenkresseblatt-Flüssigextrakt von Herbuno. Siehe Bezugsoptionen unten.


Nachweise für Gluconasturtiin-Anwendungen

Chemoprävention bei Lungenkrebs (Raucherstudien): Eine wegweisende Crossover-RCT (Hecht et al. 2011) bei Rauchern verglich den Konsum von Brunnenkresse (85 g/Tag frische Brunnenkresse) mit einer Kontrollgruppe und fand eine signifikante Reduktion von Harnmetaboliten der Tabakkarzinogene NNK (ein starkes Lungenkarzinogen) und PAKs. Die Hemmung des NNK-Metabolismus (CYP2E1-Hemmung durch PEITC) ist der vorgeschlagene Mechanismus. Dieser menschliche Biomarker-Nachweis gehört zu den stärksten für jede diätetische chemopräventive Verbindung. Aussagestärke: Moderat (Biomarker-RCT; kein Endpunkt für Lungenkrebsinzidenz).

Nrf2-Aktivierung und Phase-II-Enzyminduktion: PEITC (aus Gluconasturtiin-Hydrolyse) ist ein potenter Nrf2-Aktivator – in einigen zellbasierten Vergleichen potenter als Sulforaphan. Induziert GST (Glutathion-S-Transferase), NQO1 und HO-1, wodurch die Entgiftungskapazität für elektrophile Karzinogene erhöht wird. Studien an menschlichen Urinbiomarkern bestätigen die Phase-II-Enzyminduktion durch Brunnenkresse-Gluconasturtiin. Aussagestärke: Moderat.

Antiproliferativ: PEITC induziert Apoptose in mehreren Krebszelllinien (Prostata, Brust, Leukämie, Lunge) über mehrere Mechanismen: ROS-Erzeugung, mitochondrialer Weg, HDAC-Hemmung und STAT3-Hemmung. In menschlichen Prostatakrebs-Xenograft-Tiermodellen reduziert PEITC das Tumorvolumen signifikant. Aussagestärke: Moderat (präklinisch konvergent; begrenzte menschliche Pilotdaten).


Dosierung & Formuliererspezifikation

Menschliche Biomarker-Studien: 85 g/Tag frische Brunnenkresse (liefert ca. 30–60 mg Gluconasturtiin/Tag – umgewandelt in 15–35 mg PEITC). Für standardisierten Brunnenkresse-Extrakt bitte HPLC-verifizierten Gluconasturtiin-Gehalt zusammen mit dem PEITC-Gehalt anfordern (falls Hydrolyse stattgefunden hat). Brunnenkresse ist eine der am besten zugänglichen kommerziellen Quellen für aromatische Glucosinolate für die Nahrungsergänzungsmittelformulierung. Geben Sie an, ob der Extrakt Myrosinase-aktiv (für die in-situ-PEITC-Erzeugung) oder Myrosinase-inaktiviert (liefert stabiles Gluconasturtiin für die mikrobielle Umwandlung im Darm) ist. Für die Positionierung als chemopräventives Nahrungsergänzungsmittel betonen Sie die Nrf2-Aktivierung und die Induktion von Entgiftungsenzymen anstelle von direkten Krebsaussagen.


Häufig gestellte Fragen – Gluconasturtiin

Ist Brunnenkresse dasselbe wie Tropaeolum majus (Kapuzinerkresse)?
Nein – Brunnenkresse (Nasturtium officinale) und Gartenkapuzinerkresse (Tropaeolum majus) teilen den gebräuchlichen Namen „Nasturtium“, sind aber botanisch nicht verwandt. Brunnenkresse ist eine Brassicaceae (Kreuzblütlerfamilie) Wasserpflanze; Tropaeolum majus gehört zur Familie der Tropaeolaceae. Beide enthalten Gluconasturtiin (und schmecken daher aufgrund von PEITC pfeffrig/scharf), aber es sind unterschiedliche Pflanzen. Die wissenschaftliche Literatur zu Gluconasturtiin und PEITC verwendet Brunnenkresse (Nasturtium officinale) als primäre Quelle.

Warum ist Gluconasturtiin für Raucher besonders relevant?
Tabakrauch enthält NNK (4-Methylnitrosamino-1-(3-pyridyl)-1-butanon) und PAKs (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) – potente Lungenkarzinogene, die eine metabolische Aktivierung durch CYP2E1- und CYP1A1/2-Enzyme benötigen, um DNA-reaktiv zu werden. PEITC (aus Gluconasturtiin) hemmt diese aktivierenden CYP-Enzyme und induziert gleichzeitig Phase-II-Entgiftungsenzyme (GST, NQO1). Dieser doppelte Mechanismus – Blockierung der Karzinogenaktivierung bei gleichzeitiger Verbesserung der Karzinogenelimination – begründet die Verwendung von Brunnenkresse als Tabakkarzinogen-neutralisierendes Lebensmittel. Die Hecht-RCT zeigte diesen Mechanismus bei menschlichen Rauchern durch eine Reduktion der Urinbiomarker.

Wie verhält sich Gluconasturtiin im Vergleich zu Glucoraphanin bei der Nrf2-Aktivierung?
PEITC (aus Gluconasturtiin) und Sulforaphan (aus Glucoraphanin) sind beides Isothiocyanate und beides potente Nrf2-Aktivatoren, unterscheiden sich jedoch in ihrer Potenz und Spezifität. PEITC ist im Allgemeinen potenter als Sulforaphan bei der Hemmung von CYP-Enzymen (relevant für die Entgiftung von Tabakkarzinogenen) und bei der HDAC-Hemmung (epigenetischer chemopräventiver Mechanismus). Sulforaphan verfügt über die größere Menge an klinischen Daten zur Nrf2-Aktivierung bei verschiedenen Erkrankungen. Die beiden haben komplementäre Mechanismen und werden in umfassenden chemopräventiven Formulierungen sinnvoll kombiniert.

Kann Brunnenkresse-Extrakt für die Atemwegsgesundheit vermarktet werden?
Traditionelle Assoziationen von Brunnenkresse mit der Atemwegsgesundheit (expectorant, schleimlösend) haben eine gewisse mechanistische Unterstützung – PEITC hat eine leichte TRPA1-aktivierende Wirkung (ähnlich wie Senf/Meerrettich), die die mukoziliäre Clearance stimulieren kann. Die stärkere Evidenzbasis liegt in der Karzinogenentgiftung. Für eine Aussage zur Atemwegsgesundheit ist die Betonung des Nrf2-vermittelten antioxidativen Schutzes des Lungengewebes vor Umweltverschmutzung die am besten zu verteidigende Formulierung, die mit den Hecht-RCT-Daten übereinstimmt.

Verwandte Verbindungen: Sinigrin, Glucoraphanin, Phenylethylisothiocyanat, Sulforaphan


Skala der Aussagestärke – Hoch = mehrere menschliche RCTs; Mittel = begrenzte Studien oder starke präklinische Konvergenz; Aufkommend = Labordaten oder Tierdaten im Frühstadium.

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