Aconitin (Diterpen-Alkaloid · Na+-Kanal-Aktivator · Eisenhut-Toxin · Atish-Extrakt)
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| Verbindung | Aconitin |
| Chemische Klasse | Alkaloid – Diterpen-Alkaloid (C19-Diterpenoid-Alkaloid; Ester-Alkaloid) |
| CAS | 302-27-2 |
| Primäre Quelle | Aconitum napellus (Blauer Eisenhut / Wolfswurz, Wurzeln), Aconitum carmichaelii (Fu Zi, TCM) |
| Schlüsselanwendungen | Pharmazeutisches Analgetikum (traditionell TCM / Ayurvedisch entgiftet); spannungsgesteuerter Natriumkanal-Aktivator; Herztoxin; informatorische Referenz; verwandter Atish-Extrakt erhältlich |
| Aussagestärke | Mäßig (traditionell entgiftete Zubereitung); toxikologische Referenz (rohes Aconitin) |
| Typische Form | Entgiftete Aconitum-Zubereitungen (TCM: Zhi Fu Zi; Ayurvedisch: Vatsnabh Shodhita); Atish (A. heterophyllum) Wurzelextrakt von Herbuno erhältlich |
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Namensherkunft: Von Aconitum (die Gattung; Ursprung umstritten – möglicherweise vom griechischen akon = Speer, wie bei vergifteten Speeren, oder von Acona, einem Küstenort in der Schwarzmeer-Mythologie). Aconitin ist das primäre Diterpenalkaloid von Aconitum napellus (Blauer Eisenhut, Wolfswurz) – einer der giftigsten Pflanzen in der europäischen Flora. Es ist ein komplexes C19-Diterpenoid-Esteralkaloid mit Acetyl- und Benzoyl-Estergruppen, die die extreme Toxizität verleihen. Die Hydrolyse der Estergruppen (durch Erhitzen/Verarbeitung) entfernt die Esterfunktionen und reduziert die Toxizität drastisch – die Grundlage für die traditionelle Entgiftung von Aconitum-Zubereitungen. Pharmakologie – spannungsgesteuerter Natriumkanal-Aktivator: Aconitin ist ein potenter Aktivator von spannungsgesteuerten Natriumkanälen (insbesondere Stelle 2 von Na+-Kanälen) – es bewirkt, dass sich die Kanäle im Ruhemembranpotenzial öffnen und verhindert die normale Inaktivierung, wodurch eine anhaltende Membrandepolarisation entsteht. Im Herzen verursacht dies tödliche ventrikuläre Arrhythmien. In peripheren Nerven verursacht es zunächst intensives Kribbeln und Brennen, dann Gefühlsverlust. Die kardiovaskuläre Toxizität (Kammerflimmern) ist die Haupttodesursache bei Aconitinvergiftung. Die tödliche Dosis beim Menschen wird auf 3–6 mg geschätzt. Traditionelle ayurvedische Anwendung (Vatsnabh – entgiftetes Aconit): Aconitum-Arten werden in der ayurvedischen Medizin seit Jahrtausenden als Vatsnabh verwendet, vorbehaltlich einer rigorosen Entgiftung (shodhana), die ein Einweichen in Milch oder die Verarbeitung mit einem Kräuterdekokt beinhaltet, um den Esteralkaloidgehalt um 70–90% zu reduzieren. Entgiftete Zubereitungen werden bei neurologischen Schmerzen, Fieber und als Herztonikum in sorgfältig kalibrierten Dosen eingesetzt. Atish (A. heterophyllum) Kontext: Atish (Aconitum heterophyllum)-Extrakt ist bei Herbuno erhältlich – eine weniger toxische Aconitum-Art, die im Ayurveda verwendet wird, wobei das primäre Alkaloid Atisin (nicht Aconitin) ist, mit einer anderen und weniger schweren Toxizität. Atish wird in ayurvedischen Formelsammlungen getrennt von den toxischen Arten A. napellus / A. carmichaelii kategorisiert. Nahrungsergänzungsmittel/regulatorischer Status: Aconitin (aus A. napellus) ist kein Nahrungsergänzungsmittelbestandteil. Traditionelle ayurvedische/TCM-verarbeitete Aconit-Zubereitungen erfordern fachkundige Aufsicht. Herbuno Atish-Extrakt (A. heterophyllum) ist eine eigenständige, weniger toxische Aconitum-Quelle für ayurvedische Rezepturen.
Aconitin – Pharmakologischer und traditioneller Kontext
Spannungsgesteuerte Na+-Kanal-Aktivierung – Mechanismus: Aconitin bindet an die Stelle 2 des spannungsgesteuerten Natriumkanals (VGSCi), was eine anhaltende Kanalöffnung im Ruhezustand bewirkt und die normale Inaktivierung verhindert. Der resultierende anhaltende Natriumionen-Einstrom depolarisiert erregbare Membranen dauerhaft, was zunächst intensive Brenn-/Kribbelgefühle (Aktivierung sensorischer Nerven) und dann eine Lähmung der Erregungsleitung (Depolarisationsblockade) verursacht. Im Herzen löst dieselbe anhaltende Depolarisation ventrikuläre Tachykardie und Fibrillation aus. Paradoxerweise erzeugt derselbe Mechanismus, der Aconitin in hohen Dosen extrem toxisch macht, in sehr niedrigen Dosen Lokalanästhetika-ähnliche Effekte (die anfängliche Nervendepolarisation gefolgt von einer Depolarisationsblockade). Dies erklärt die traditionelle Anwendung bei neurologischen Schmerzen – bei subtoxischen Dosen erzeugt die Depolarisationsblockade reizhemmende und dann anästhetika-ähnliche Effekte. Pharmakologische Referenz.
TCM Zhi Fu Zi (verarbeitetes Aconit) – klinische Anwendung: In der Traditionellen Chinesischen Medizin ist verarbeitete Aconitwurzel (Zhi Fu Zi aus Aconitum carmichaelii) ein Yang-tonisierendes Kraut, das bei Herzinsuffizienz, Hypothermie und Schmerzen eingesetzt wird – die Verarbeitung (Backen, Einweichen in Salzlake/Essig) hydrolysiert Esteralkaloide und reduziert Aconitin zu Benzoylaconin und Aconin (wesentlich weniger toxisch). Zahlreiche klinische Studien aus China unterstützen verarbeitetes Fu Zi bei Herzinsuffizienz (positiver inotroper Effekt durch Rest-VGSC-Aktivität). Dies stellt eine echte pharmakologische Begründung für die traditionelle Anwendung dar, wenn es richtig verarbeitet wird. Aussagestärke: Moderat (traditionell; verarbeitete Form).
Atish (Aconitum heterophyllum) – Herbuno-Extrakt: Atish ist der ayurvedische Name für Aconitum heterophyllum (indisches Aconit) – eine Himalaya-Art mit einem anderen Alkaloidgehalt als das toxische A. napellus. Die primären Alkaloide von A. heterophyllum sind Atisin und Heteratisin (Nicht-Ester-Diterpenoid-Alkaloide, weitaus weniger toxisch als Aconitin). Atish wird in der ayurvedischen Medizin bei Fieber, Verdauungsstörungen und Atemwegserkrankungen in Dosen eingesetzt, die seinem geringeren Toxizitätsprofil entsprechen. Der Herbuno Atish-Extrakt ist für traditionelle ayurvedische Rezepturkontexte geeignet. Traditionelle botanische Referenz.
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Häufig gestellte Fragen – Aconitin
Warum gilt der Blaue Eisenhut als eine der gefährlichsten Pflanzen Europas?
Aconitum napellus (Blauer Eisenhut, Wolfswurz, Sturmhut) ist als Gartenpflanze attraktiv – tiefviolette Blüten, markante Helmform. Dieser Zierwert in Kombination mit extremem Alkaloidgehalt hat zu vielen Gartenvergiftungen geführt – Aconitin wird beim Umgang mit Pflanzen ohne Handschuhe über die intakte Haut aufgenommen. Schon kurzer Hautkontakt mit zerdrücktem Pflanzenmaterial kann Parästhesien hervorrufen. Die Einnahme einer einzigen Wurzel oder eines Blattes kann bei Erwachsenen tödlich sein. Der Beginn von Herzrhythmusstörungen kann schnell erfolgen (30–60 Minuten nach signifikanter Einnahme) und erfordert eine sofortige Notfallbehandlung. Es gibt kein spezifisches Antidot gegen Aconitinvergiftungen.
Was ist der Unterschied zwischen Aconitin und dem ayurvedischen Vatsnabh?
Vatsnabh ist der ayurvedische Name für Aconitum-Wurzeln – einschließlich A. napellus und verwandter indischer Arten. Shodhana (Entgiftung) von Vatsnabh beinhaltet spezifische Zubereitungsmethoden, die darauf abzielen, den Esteralkaloidgehalt auf subtoxische Werte zu reduzieren, während die angenommene therapeutische Aktivität erhalten bleibt. Dies ist vergleichbar mit der Zhi Fu Zi-Verarbeitung in der TCM. Der entscheidende Punkt: Unverarbeitetes Vatsnabh ist extrem toxisch; Shodhita (verarbeitetes) Vatsnabh ist die medizinische Form. Diese Zubereitungen erfordern fachkundige ayurvedische Überwachung und analytische Überprüfung des Alkaloidgehalts.
Wie wird eine Aconitinvergiftung behandelt?
Es gibt kein spezifisches Antidot gegen Aconitinvergiftungen. Die Behandlung ist supportiv: (1) Dekontamination (Aktivkohle bei frühzeitiger Vorstellung); (2) Herzüberwachung (kontinuierliches EKG – ventrikuläre Arrhythmien sind das primäre Risiko); (3) Antiarrhythmische Behandlung bei ventrikulärer Tachykardie (Amiodaron, Flecainid wurden eingesetzt; Vermeidung von Substanzen, die die Na+-Kanäle weiter hemmen); (4) Extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) als Überbrückung zur Genesung in schweren Fällen. Die Aconitin-Toxizität kann verlängert sein (Halbwertszeit ~4–8 Stunden) und Patienten können 12–24 Stunden nach der Einnahme einem Arrhythmie-Risiko ausgesetzt sein.
Ist Atish von Herbuno für den internen Gebrauch sicher?
Aconitum heterophyllum (Atish) hat eine deutlich geringere Toxizität als A. napellus oder A. carmichaelii, da seine primären Alkaloide (Atisin, Heteratisin) Nicht-Ester-Diterpenoid-Alkaloide sind und nicht die extreme Kardiotoxizität von Aconitin aufweisen. Die traditionelle ayurvedische Anwendung von Atish in vorgeschriebenen Dosen hat ein anderes Risikoprofil als die toxischen Aconit-Arten. Jedoch sollten alle Aconitum-Zubereitungen mit der gebotenen Vorsicht, Überprüfung des Alkaloidprofils und gemäß den traditionellen Anweisungen verwendet werden. Das CoA des Herbuno Atish-Extrakts sollte den Alkaloidgehalt (Atisin vs. Aconitin-ähnliche Alkaloide) spezifizieren, um zu bestätigen, dass er innerhalb des weniger toxischen Atisin-Primärprofils von A. heterophyllum liegt.
Verwandte Verbindungen: Strychnin, Coniin, Colchicin, Brucin
Aussagestärkenskala – Hoch = mehrere menschliche RCTs; Mäßig = begrenzte Studien oder starke präklinische Konvergenz; Entstehend = frühe Labor- oder Tierdaten.
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