Solanin (Steroidale Glykoalkaloide · Kartoffeln und Lebensmittelsicherheit · Informationsreferenz)

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Verbindung Solanin (α-Solanin)
Chemische Klasse Alkaloid — Steroidales Glykoalkaloid (Solanidin + Trisaccharid)
CAS 20562-02-1
Primärquelle Solanum tuberosum (Kartoffel) grüne Schale und Keime; Solanum nigrum (Schwarzer Nachtschatten)
Schlüsselanwendungen Informationsreferenz — Lebensmittelsicherheit; Cholinesterase-Hemmung; Kontext der Krebsforschung
Anspruchsstärke Aufkommend (präklinisch); Nur informativ (Ergänzungskontext)
Typische Form Kein Nahrungsergänzungsmittel-Bestandteil — Überwachungsverbindung für Lebensmittelsicherheit
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Namensherkunft: Von Solanum (der Gattung). Solanin ist ein steroidales Glykoalkaloid — das steroidale Alkaloid-Aglykon Solanidin, das an eine Trisaccharidkette gebunden ist (Chaconin und Solanin teilen das Solanidin-Aglykon, unterscheiden sich aber in ihren Zuckerketten). Es kommt zusammen mit α-Chaconin (in einem ungefähren Verhältnis von 2:3 Solanin:Chaconin) in grünem Kartoffelgewebe und Keimen vor. Traditionelle Verwendung und Kontext der Lebensmittelsicherheit: Solanin ist seit dem frühen 19. Jahrhundert als Kartoffelgift bekannt. Das Grünwerden der Kartoffelschale bei Lichteinwirkung (Chlorophyllproduktion) geht mit der Solanin-Synthese einher — einem Pflanzenabwehrmechanismus. Historische Kartoffelvergiftungsausbrüche in Europa und Nordamerika sind durch den Verzehr stark gekeimter oder stark grün gewordener Kartoffeln aufgetreten. Solanin wird durch Kochen nicht abgebaut. Forschungskontext: Solanin hemmt die Acetylcholinesterase (dasselbe Enzym, auf das Alzheimer-Medikamente Galantamin und Rivastigmin abzielen), hat eine dokumentierte antiproliferative Aktivität in Krebszelllinien und entzündungshemmende Wirkungen. Sein therapeutisches Fenster ist jedoch extrem eng — die Dosis, die pharmakologische Wirkungen in Zellmodellen hervorruft, liegt nahe an der toxischen Dosis beim Menschen. Zusatzstoffstatus: Solanin ist kein Nahrungsergänzungsmittel-Bestandteil und ist nicht kommerziell für die Verwendung in Nahrungsergänzungsmitteln erhältlich.


Solanin — Lebensmittelsicherheit und Forschungskontext

Lebensmittelsicherheit — toxische Schwelle: Die WHO/FAO-Akzeptanzdosis für Gesamtglykoalkaloide (Solanin + Chaconin) aus Kartoffelkonsum beträgt <1 mg/kg Körpergewicht pro Tag. Normale kommerzielle Kartoffeln enthalten <20 mg/100 g Glykoalkaloide (die meisten Sorten <10 mg/100 g). Grüne Kartoffeln oder gekeimte Kartoffeln können 200–400 mg/100 g enthalten — ausreichend, um akute Toxizität bei Erwachsenen zu verursachen. Symptome einer Solaninvergiftung: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall (innerhalb von 2–12 Stunden), gefolgt von neurologischen Symptomen (Kopfschmerzen, Schwindel, Verwirrung) bei höheren Dosen. Informationsreferenz.

Antikrebsforschung (präklinisch): Solanin hemmt die Proliferation und induziert Apoptose in Magen-, Lungen-, Brust- und Darmkrebszelllinien über Zellzyklusarrest (G2/M), mitochondrialen apoptotischen Weg und Hemmung der PI3K/Akt-Signalgebung. Der enge therapeutische Index schließt die Verwendung als Nahrungsergänzungsmittel oder Pharmazeutikum in wirksamen Konzentrationen aus. Anspruchsstärke: Aufkommend (nur Zellliniendaten).

Cholinesterase-Hemmung: Solanin hemmt Acetylcholinesterase und Butyrylcholinesterase mit IC50-Werten im niedrigen mikromolaren Bereich. Dieser Mechanismus ist identisch mit zugelassenen Alzheimer-Medikamenten (Galantamin, Rivastigmin, Donepezil). Die ernährungsbedingte Exposition durch Solanin in Kartoffeln trägt zu einer geringen Hintergrund-AChE-Hemmung bei, die bei normalen Lebensmittelaufnahmemengen pharmakologisch unbedeutend ist. Anspruchsstärke: Aufkommend.

Solanin — Informationsreferenz:
Diese Verbindung ist zu Forschungs- und Formulatorschulungszwecken dokumentiert. Für kommerziell erhältliche botanische Inhaltsstoffe, erkunden Sie den HerbIQ Compound Index →

Häufig gestellte Fragen — Solanin

Sollten grüne oder gekeimte Kartoffeln vermieden werden?
Ja — dies ist eine Empfehlung für die öffentliche Gesundheit. Kartoffeln, die deutlich grün geworden sind (was auf eine lichtinduzierte Solanin-Synthese hindeutet) oder gut entwickelte Keime aufweisen, sollten nicht gegessen werden. Leichte Grünfärbung auf einer kleinen Oberfläche kann mit großzügigem Rand weggeschnitten werden (Solanin ist im grünen Gewebe konzentriert). Stark grüne oder stark gekeimte Kartoffeln sollten entsorgt werden. Schälen reduziert den Glykoalkaloidgehalt erheblich, da Solanin in der Schale und den 1–2 mm darunter konzentriert ist.

Wird Solanin durch Kochen zerstört?
Nein — Solanin ist hitzestabil und wird durch Kochen, Backen oder Braten bei normalen Kochtemperaturen nicht zerstört. Frittieren bei 210 °C zerstört etwa 40 % des Solanins — die einzige Kochmethode, die den Gehalt erheblich reduziert. Deshalb besteht die primäre Strategie zur Lebensmittelsicherheit darin, grüne/gekeimte Kartoffeln zu vermeiden, anstatt sich auf das Kochen zu verlassen, um Solanin zu reduzieren.

Beeinflusst Solanin Menschen mit Autoimmunerkrankungen?
Nachtschattengewächs-Vermeidungsdiäten (Ausschluss von Kartoffeln, Tomaten, Auberginen, Paprika) wurden für Autoimmun- und entzündliche Erkrankungen (Arthritis, IBD) beworben, basierend auf den theoretischen immunmodulierenden Eigenschaften von Glykoalkaloiden wie Solanin. Die wissenschaftlichen Belege für diesen Ernährungsansatz sind begrenzt — keine kontrollierte klinische Studie hat speziell einen Nutzen der Solanin-Vermeidung bei Autoimmunerkrankungen gezeigt. Die individuelle Ernährungsempfindlichkeit variiert, und einige Patienten berichten von einer subjektiven Verbesserung, dies ist jedoch nicht durch kontrollierte Beweise bestätigt.

Sind Tomaten, Auberginen und Paprika ebenfalls reich an Solanin?
Diese "Nachtschatten"-Gemüse enthalten verschiedene Glykoalkaloide: Tomaten enthalten Tomatin (nicht Solanin); Auberginen enthalten Solasonin und Solamargin; Paprika enthalten Solanin in sehr geringen Mengen. Keines dieser anderen Nachtschattengewächse erreicht die Glykoalkaloidkonzentrationen, die in grünen Kartoffeln gefunden werden. Für gesunde Erwachsene, die diese Gemüse in normalen Ernährungsmengen konsumieren, liegt die Glykoalkaloidexposition weit innerhalb sicherer Grenzen.

Verwandte Verbindungen: Chaconin, Tomatin, Solasodin, Colchicin


Anspruchsstärkenskala – Hoch = mehrere menschliche RCTs; Mäßig = begrenzte Studien oder starke präklinische Konvergenz; Aufkommend = frühe Labor- oder Tierdaten.

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