Steviosid (Stevia-Diterpen-Glykosid · Kalorienfreier Süßstoff · Antidiabetikum · E960)

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Verbindung Steviosid
Chemische Klasse Terpenoid — Diterpenglykosid (Ent-Kauran-Diterpen; Steviolglykosid)
CAS 57817-89-7
Primäre Quelle Stevia rebaudiana (Stevia, getrocknete Blätter)
Hauptanwendungen Kalorienfreier Süßstoff (300× süßer als Saccharose); antidiabetisch; entzündungshemmend; blutdrucksenkend
Anspruchsstärke Hoch (Süßstoff); Moderat (antidiabetisch/blutdrucksenkend)
Typische Form Steviaextrakt, standardisiert auf Steviosid und Rebaudiosid A; Steviosid-Isolat (≥97%)
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Namensherkunft: Von Stevia (die Gattung, benannt nach dem spanischen Botaniker Pedro Jaime Esteve) + -osid (Glykosid-Suffix). Steviosid ist das primäre Steviolglykosid von Stevia rebaudiana – etwa 5–10 % des Trockengewichts der Blätter. Es besteht aus Steviol (dem Aglykon Ent-Kaurenditerpen), das mit zwei Sophorose- und einer Glukoseeinheit verbunden ist. Das Ent-Kauran-Diterpen-Gerüst findet sich auch in Gibberellinen (Pflanzenwachstumshormone) und Steviol selbst ist das gemeinsame Aglykon aller Steviolglykoside (Steviosid, Rebaudiosid-A, -B, -C, -D, etc.). Traditionelle Verwendung: Blätter von Stevia rebaudiana werden seit Jahrhunderten von den Guaraní in Paraguay und Brasilien als Süßstoff verwendet – direkt gekaut oder als süßer Tee (ka’a he’ẽ = „süßes Kraut“) zur Süßung von Yerba Mate und als Heilkraut bei Diabetes, Bluthochdruck und zur Förderung der Fruchtbarkeit. Regulatorischer Status als Süßstoff: Steviolglykoside sind als Lebensmittelzusatzstoffe zugelassen in: der EU (E960, 2011), den USA (GRAS für hochreines Rebaudiosid-A, 2008; dann für alle Steviolglykoside), Japan, Australien/Neuseeland, Kanada und über 60 weiteren Ländern. Steviosid ist in vielen Märkten die primäre kommerzielle Süßstoffform. Der FDA GRAS-Status (2008–2009 Serie) umfasst gereinigte Steviolglykoside (≥95% Gesamt-Steviolglykoside). Kommerzielle Quelle: Mehrere Steviaextraktprodukte in verschiedenen Reinheitsgraden sind bei Herbuno erhältlich.


Nachweise für Steviosid-Anwendungen

Kalorienfreier Süßstoff – Blutzuckermanagement: Steviosid (300× Süße von Saccharose) erzeugt keine glykämische Reaktion bei diabetischen oder gesunden Probanden. Mehrere RCTs bestätigen keine kalorische Wirkung und einen glykämischen Index von Null. Metaanalysen zur Verwendung von Steviolglykosiden zur Kalorienreduktion bestätigen eine bescheidene, aber konsistente Reduzierung des Körpergewichts beim Ersatz kalorischer Süßstoffe. Dies ist die primäre evidenzbasierte Anwendung. Anspruchsstärke: Hoch.

Antidiabetisch – Insulinsekretion und -sensitivität: Neben dem kalorienfreien Vorteil hat Steviosid direkte pharmakologische antidiabetische Effekte: (1) verstärkt die glukosestimulierte Insulinsekretion aus pankreatischen β-Zellen über den Verschluss von KATP-Kanälen; (2) verbessert die Insulinsensitivität in peripheren Geweben; (3) hemmt die Glukoneogenese. Mehrere menschliche RCTs bei Patienten mit Typ-2-Diabetes (Gregersen et al., 2004; Maki et al., 2008) bestätigen, dass Steviosid postprandiale Glukose- und Insulinspiegel im Vergleich zu Saccharose UND im Vergleich zu Aspartam senkt – was auf direkte pharmakologische Effekte jenseits des reinen Süßstoffersatzes hindeutet. Anspruchsstärke: Moderat (menschliche RCTs).

Antihypertensiv: Steviosid in einer Dosis von 250–500 mg dreimal täglich reduzierte in einer 2-jährigen RCT bei chinesischen Hypertoniepatienten den systolischen und diastolischen Blutdruck signifikant (Chan et al., 2000, J Hum Hypertens). Der Mechanismus beinhaltet die Hemmung von Kalziumkanälen in der vaskulären glatten Muskulatur. Diese RCT ist der überzeugendste Beweis für einen pharmakologischen antihypertensiven Effekt von Steviosid jenseits der Süßstoffrolle. Anspruchsstärke: Moderat (einzelne große RCT; Replikation erforderlich).


Dosierung & Formuliererspezifikation

Als Süßstoff: ADI (akzeptable tägliche Aufnahmemenge) für Steviolglykoside beträgt 4 mg Steviol-Äquivalente/kg Körpergewicht/Tag (JECFA, WHO) – was etwa 12 mg Steviosid/kg/Tag entspricht. Bei 300-facher Süße von Saccharose liefern sehr kleine Mengen eine signifikante Süße. Standardmäßige Nahrungsergänzungsmitteldosen in antidiabetischen/antihypertensiven Kontexten aus den RCTs: 750–1.500 mg/Tag Steviosid – deutlich über den typischen Süßstoffmengen. Herbuno-Stevia-Produkte: Steviosid-Prozentsatz und Rebaudiosid-A-Prozentsatz separat mittels HPLC angeben. Rebaudiosid-A hat einen saubereren Geschmack (weniger Lakritz-Nachgeschmack) als Steviosid; Premium-Stevia-Produkte sind mit Reb-A angereichert (siehe separate Seite). Für Nahrungsergänzungsmittelformulierungen, die auf antidiabetische Effekte abzielen, ist Steviosid die pharmakologisch besser untersuchte Form.


Häufig gestellte Fragen — Steviosid

Ist Steviosid dasselbe wie Stevia?
Stevia ist die Pflanze (Stevia rebaudiana). Steviosid ist eines von vielen Steviolglykosiden, die aus Steviablättern gewonnen werden. Kommerzieller „Stevia-Extrakt“ bezieht sich typischerweise auf eine Mischung von Steviolglykosiden – hauptsächlich Steviosid und Rebaudiosid A, mit kleineren Mengen an Rebaudiosiden B, C, D, E und F. Produkte, die als „Stevia-Extrakt 95%“ gekennzeichnet sind, bedeuten 95% Gesamt-Steviolglykoside nach Gewicht, nicht spezifisch 95% Steviosid. Steviosid und Rebaudiosid A sind die beiden dominanten Süßstoffe in den meisten kommerziellen Steviaextrakten.

Ist Steviosid für Diabetiker sicher?
Ja – Steviosid ist für das Diabetesmanagement sowohl als kalorienfreier Süßstoff (kein glykämischer Einfluss) als auch als Verbindung mit direkten antidiabetischen pharmakologischen Effekten (verbesserte Insulinsekretion, verbesserte Insulinsensitivität) geeignet. Mehrere RCTs bestätigen die Sicherheit und den Nutzen bei T2DM-Patienten. Diabetiker, die antidiabetische Medikamente einnehmen, sollten ihren Blutzuckerspiegel überwachen, wenn sie Steviosid in pharmakologischen Dosen (>250 mg/Portion) verwenden, da die additive blutzuckersenkende Wirkung Hypoglykämie verursachen könnte – eine positive Wechselwirkung bei niedrigen Medikamentendosen, aber eine Überlegung zur Überwachung bei höheren Dosen.

Verursacht Steviosid Unfruchtbarkeit?
Diese Bedenken entstanden aus einer Studie von 1968 an Ratten, die darauf hindeutete, dass ein hochdosierter Steviosid-Extrakt die Fruchtbarkeit reduzierte. Nachfolgende umfassende Sicherheitsprüfungen (einschließlich multigenrationeller Reproduktionsstudien) in Dosen, die für die menschliche Exposition relevant sind, haben keine Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit bestätigt. JECFA und EFSA führten umfangreiche Sicherheitsbewertungen durch und kamen zu dem Schluss, dass es keine Beweise für Reproduktionstoxizität bei der ADI gibt. Die ursprüngliche Studie von 1968 verwendete Roh-Extrakt in extrem hohen Dosen, die für den menschlichen Verzehr nicht relevant sind. Steviosid wird für alle Bevölkerungsgruppen, einschließlich schwangerer Frauen, bei normalen diätetischen Expositionsniveaus als sicher angesehen.

Worin besteht der Geschmacksunterschied zwischen Steviosid und Rebaudiosid A?
Steviosid hat bei höheren Konzentrationen einen leichten Lakritz-/bitteren Nachgeschmack, da es neben Süßrezeptoren auch an Bitterrezeptoren bindet. Rebaudiosid A hat ein reineres, zuckerähnlicheres Süßprofil mit weniger Nachgeschmack – wodurch es für viele Lebensmittel- und Getränkeanwendungen bevorzugt wird. Rebaudiosid D und M (weniger verbreitete Glykoside) haben noch reinere Geschmacksprofile und werden zunehmend in Premium-Stevia-Produkten verwendet. Der Geschmacksunterschied spiegelt keine pharmakologischen Unterschiede wider – beide sind Steviolglykoside mit ähnlichen metabolischen und antidiabetischen Eigenschaften.

Verwandte Verbindungen: Rebaudiosid-A, Glycyrrhizin, Cucurbitacin, Steviol


Anspruchsstärkenskala – Hoch = mehrere menschliche RCTs; Mittel = begrenzte Studien oder starke präklinische Konvergenz; Entstehend = frühe Labor- oder Tierdaten.

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